Institute / Zentren
Institut Gesellschaftswissenschaftliche Bildung
Das Institut Gesellschaftswissenschaftliche Bildung (IGB-PHSG) verfolgt Forschungs- und Entwicklungsprojekte sowohl in seinen spezifischen Fach- und Themenbereichen (Räume, Zeiten, Gesellschaften; Wirtschaft, Arbeit, Haushalt, Ethik, Religionen, Gemeinschaft; Berufliche Orientierung; Bildung und Gesellschaft) als auch fächerübergreifend. Es achtet auf die Verschränkung fachwissenschaftlicher und fachdidaktischer Perspektiven und legt Wert auf den Wissenstransfer aus der Forschung in die Schule und in die Gesellschaft. Die integrierte Fachstelle Demokratiebildung und Menschenrechte sowie das Kompetenzzentrum für ethisches und interreligiöses Lernen in der Aus- und Weiterbildung von Lehrpersonen (KIAL) sind wichtige Motoren der Forschungs- und Entwicklungstätigkeit.
Rassismuskritische Re-Visionen: Professionalisierung in der Lehrer:innenbildung
Das Projekt «Rassismuskritische Re-Visionen» entwickelt die Schweizer Lehrer:innenbildung im Bereich rassismus- und diskriminierungskritischer Fachdidaktiken weiter. In Kooperation mit sieben weiteren Pädagogischen Hochschulen (PH Bern, PH FH Nordwestschweiz, PH Luzern, PH Schaffhausen, PH Thurgau, PH Zürich, Scuola universitaria professionale della Svizzera italiana) und von swissuniversities mit projektgebundenen Beiträgen des Bundes (PgB) gefördert zielt es darauf ab, Netzwerke zu stärken, Wissensordnungen kritisch zu hinterfragen und institutionell verankerte Reflexionsräume zu schaffen.
Das Projekt richtet den Fokus auf drei zentrale Handlungsfelder:
- Hochschulentwicklung: Workshops zur rassismuskritischen Lehre fördern die Vernetzung und die inhaltliche Vertiefung rassismuskritischer Fachdidaktiken (Julia Ha).
- Diskursraum Lehrmittelreflexion: Lehrmittel werden auf rassistische und diskriminierende Inhalte überprüft und weiterentwickelt.
- Schulalltagspraxis: Gemeinsam mit Schulangehörigen werden rassismuskritische Herausforderungen identifiziert und Lösungsansätze erarbeitet (Nadire Mustafi).
Das Projekt ist in das übergeordnete PgB-Vorhaben «Rassismuskritische (Hoch-)Schulkultur» eingebettet, das eine transformative Weiterentwicklung von Schulen und Hochschulen im Sinne einer Critical Diversity Literacy (CDL) anstrebt. Ziel ist eine institutionalisierte rassismuskritische Kultur, die Machtverhältnisse reflektiert und Diskriminierung aktiv entgegenwirkt.
Methodik: Mixed-Methods (Umfrage und Interviews)
Kooperation
PH Zürich (PHZH, Gesamtleitung), PH FH Nordwestschweiz (PH FHNW), PH Luzern (PHLU), PH Schaffhausen (PHSH), PH Thurgau (PHTG), Scuola universitaria professionale della Svizzera italiana (SUPSI)
Laufzeit
2025 bis 2027
Finanzierung
swissuniversities
Leitung
Alois Buholzer (PHLU), Oxana Ivanova-Chessex (PHZH), Anja Sieber Egger (PHZH), Vera Sperisen (PH FHNW)
Team
Nicole Eilinger (PHTG), Ada Fehr (PHSH), Julia Ha (PHSG), Carmen Košorok (PHTG), Anja Morawietz Dalla Torre (PHZH), Nadire Mustafi (PHSG), Lorenza Rusconi (SUSPI)
Das übergeordnete Ziel des Interventionsprojekts «CHANSON» besteht darin, Kinder aus wenig privilegierten Familienverhältnissen beim Übergang von der Primar- in die Oberstufe (= Selektion) zu fördern, was zu einer Stärkung der Chancengerechtigkeit sowie einer erhöhten sozialen Mobilität der nachfolgenden Generationen führen kann. Dies trägt zur sozialen Kohäsion sowie zur Festigung demokratischer Strukturen bei und ist vor dem Hintergrund des demografischen Wandels und der wachsenden Nachfrage nach hochqualifizierten Fachkräften von grosser Relevanz für die Gesellschaft. Das Programm «CHANSON» versteht sich bewusst als familienergänzendes Förderprojekt, das Leistungen erbringt, zu denen die geförderten Kinder aufgrund ihrer familialen Herkunft in ihrem Elternhaus in der Regel keinen Zugang haben. Sie sollen durch die Förderung dazu befähigt werden, ihre Talente und Potenziale unabhängig von ihrer Herkunft bestmöglich zu entfalten und ihre schulischen und beruflichen Ambitionen zu verwirklichen. Konkret werden ausgewählte Primarschüler:innen in ihrem Bestreben unterstützt, eine Zuweisung in ein hohes Niveau der Sekundarstufe I und einen erfolgreichen Verbleib darin zu erreichen.
Laufzeit
2013 bis 2030
Finanzierung
Gemeinde Wil, Gemeinde Rapperswil-Jona, Stadt St.Gallen
Leitung
Simon Dias
Das Schweizer Kinderdorf Pestalozzi in Trogen analysiert und entwickelt zusammen mit Teams der PHSG und der PHLU neue didaktische Inhalte für children-rights.ch. Das Angebot wird sowohl an die Zyklen des formalen Bildungswesens als auch an ausserschulische und informelle Bildungsbereiche angepasst. Die Materialien werden Fachpersonen aus den jeweiligen Bereichen kostenlos zur Verfügung gestellt und neu in vier Sprachen angeboten. Die Inhalte werden unter anderem mit Blick auf das didaktische Konzept optimiert und fachlich auf den aktuellen wissenschaftlichen Stand der formalen und nonformalen Bildung gebracht.
Laufzeit
2025 bis 2027
Finanzierung
Bundesamt für Sozialversicherungen (via das Schweizer Kinderdorf Pestalozzi)
Leitung
Andreas Stadelmann, Thomas Metzger
Das dreisprachige Online-Lehrmittel «Civica» ist modular aufgebaut. Es erklärt einerseits politische Begriffe, Institutionen und Prozesse und macht andererseits politische Fragestellungen sichtbar (Verstehen). Des Weiteren geht das Lehrmittel von der Prämisse aus, dass sich Politik bzw. das Politische in Konflikten zeigt. Es stellt daher exemplarische Konfliktfragen ins Zentrum der didaktischen Gestaltung.
Laufzeit
2024 bis 2029
Finanzierung
Kanton Graubünden
Leitung
Rolf Bossart
Der Demokratiebus wird Anschauungsmaterial und interaktive Impulseinheiten an Schulen in der Ostschweiz liefern, die von Expert:innen und Studierenden der PHSG betreut werden. Diese Impulseinheiten sind auf den Beutelsbacher Konsens ausgerichtet und fördern die Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Themen sowie die aktive Beteiligung der Schüler:innen, indem ihnen die Möglichkeit geboten wird, konkrete Aktionen und Projekte aufzugleisen, die sie im Nachgang in ihren Schulen, Schulgemeinden oder Quartieren nachhaltig umsetzen können (Service Learning). Dies soll nicht nur das politische Interesse wecken, sondern mündet in echter Partizipation mit dem Ziel, Demokratiebildung zu multiplizieren und Demokratie ausgehend von der Schule zu verwirklichen. Da im Rahmen dieser Einsätze neben den Schüler:innen auch die Lehrpersonen politisch sozialisiert werden, wird es den Lehrpersonen nachhaltig ermöglicht, politische Bildung in den Schulalltag zu integrieren. Ausserdem erhalten die Lehrpersonen umfangreiches Unterrichtsmaterial. Die Struktur des Projekts umfasst zunächst eine Konzipierungsphase, in der die Impulseinheiten und der Videoblog entwickelt werden. Darauf folgt eine Praxisphase, in der der Demokratiebus ab dem Schuljahr 2026/27 in Schulen eingesetzt wird.
Laufzeit
2024 bis 2026
Finanzierung
Kanton St.Gallen, Kanton Appenzell Ausserrhoden und Kanton Appenzell Innerrhoden
Leitung
Nicolai Kozakiewicz, Andreas Stadelmann, Thomas Metzger
Das Projekt baut auf der trinationalen Jugendstudie «Bildung und Partizipation» auf und fokussiert den Transfer zentraler Ergebnisse sowie deren konstruktive Umsetzung in der Praxis. Schüler:innen wollen vor allem dort mehr mitbestimmen, wo sie es bisher am wenigsten tun konnten, nämlich im Unterricht. Die Ergebnisse zeigen des Weiteren, dass Mitbestimmung den Erwerb vielfältiger demokratischer Kompetenzen ermöglicht, zum Beispiel das Artikulieren eigener Anliegen. Um die Beteiligungsmöglichkeiten für Schüler:innen zu erhöhen, gilt es, gezielt Strukturen zu schaffen, die diese Beteiligung im schulischen Bereich stärken.
Laufzeit
2023 bis 2025
Finanzierung
Wissenschaftsverbund Vierländerregion Bodensee
Leitung
Gudrun Quenzel (PH Vorarlberg), Julia Ha (PHSG), Axinja Hachfeld (Universität Konstanz)
Die kostenlos zugängliche Bildungsplattform «IWitness» des Visual History Archive der USC Shoah Foundation umfasst rund 4400 Zeitzeug:inneninterviews mit Überlebenden des Holocausts und anderer Genozide. Im deutschsprachigen Raum wird die Unterseite «Lebensgeschichten» in Kooperation zwischen der PH St.Gallen, der PH Luzern, der Europa-Universität Flensburg und dem Institut für Holocaust Education (erinnern.at) in Österreich entwickelt. Das Projekt trägt durch das digitale Bildungsangebot in transnationaler Perspektive zur Ausbildung eines elaborierten Geschichtsbewusstseins der Schüler:innen in der DACH-Region bei. Das auf videografierten Zeitzeug:inneninterviews basierende deutschsprachige Bildungsangebot ist für Lehrer:innen verschiedener Stufen niederschwellig nutzbar, kann in der Praxis vielfältig eingesetzt werden und ermöglicht den Schüler:innen eine aktive Auseinandersetzung mit verschiedenen historischen Themen. Zusätzlich werden die Schüler:innen durch das Arbeiten mit der Quellengattung «(videografierte) Zeitzeug:inneninterviews» und dem Medium «Film» methodisch geschult. Dadurch werden Medienkompetenzen, soziale Kompetenzen und Kompetenzen in historischer Bildung gefördert.
Laufzeit
2024
Finanzierung
PHSG
Leitung
Anna Voser und Helene Kaufmann
Jährlich finden sich zwischen 60 und 100 Jugendliche zu einem Parlament zusammen, wo sie für ihren Alltag relevante Themen diskutieren. Angeleitet werden die Schüler:innen der Oberstufe aus den Kantonen St.Gallen, Appenzell Innerrhoden und Appenzell Ausserrhoden von erfahrenen Pädagog:innen der Stiftung Kinderdorf Pestalozzi sowie der PH St.Gallen. Während fünf Tagen erfahren die Jugendlichen in Kursen und in ihrer Freizeit, was es bedeutet, das Gemeinwesen mitzugestalten und Verantwortung für gemeinsame Entscheidungen zu übernehmen. Im Rahmen einer Parlamentssimulation mit Kommissionssitzungen und Plenarversammlungen setzen sie sich intensiv mit den Themen «Demokratie», «Kinderrechte», «Nachhaltige Entwicklung» und «Empowerment» auseinander. Dabei soll aufgezeigt werden, wie gesellschaftliche Herausforderungen konkret angegangen werden und wie die teilnehmenden Schüler:innen bedeutsame Kompetenzen im Bereich der politischen Bildung erwerben können. Die Konferenz ermöglicht und fordert einen hohen Grad an Partizipation der Teilnehmenden. Dazu gehört auch, dass sie die zu diskutierenden Themen und Problemlagen selbst auswählen, eigene Lösungsansätze und Umsetzungspläne erarbeiten und diese im Nachgang der Projektwoche bestmöglich umsetzen respektive deren Fortgang durch die Platzierung in politischen Prozessen und Strukturen initiieren.
Laufzeit
2021 bis 2027
Finanzierung
Appenzellische Gemeinnützige Gesellschaft, Beisheim-Stiftung, Gemeinnützige Gesellschaft des Kantons St.Gallen, Lienhard-Stiftung, Lotteriefonds Appenzell Ausserrhoden, Sophie und Karl Binding Stiftung, Temperatio, TISCA-Tischhauser-Stiftung
Leitung
Nicolai Kozakiewicz, Thomas Metzger
Der Lehrplan 21 bestimmt die sogenannten Integrationsfächer: WAH (Wirtschaft, Arbeit, Haushalt), NMG (Natur, Mensch, Gesellschaft), ERG (Ethik, Religionen, Gemeinschaft), und RZG (Räume, Zeiten, Gesellschaften). In vielen Kantonen bzw. an vielen Pädagogischen Hochschulen besteht auf unterschiedlichen Ebenen Bedarf in Bezug auf valide Kenntnisse über die konkrete Umsetzung der Fächer in den Schulhäusern, die neuen Möglichkeiten und Schwierigkeiten, die zugrunde liegenden Fachkonzepte und die Zufriedenheit mit der fachdidaktischen Ausbildung. In einer ersten Phase des Projekts werden Daten zu diesen Aspekten mit leitfadengestützten Interviews auf allen Stufen erhoben. Quantitative Erhebungen folgen in einer zweiten Phase.
Laufzeit
2025 bis 2028
Finanzierung
PHSG
Leitung
Rolf Bossart
Mit dem Lehrplan 21 wurde im Kanton St.Gallen das Integrationsfach «Räume, Zeiten, Gesellschaften» (RZG) eingeführt, das Geschichte und Geografie in einem gemeinsamen Schulfach zusammenführt. Über die praktische Umsetzung im Unterricht ist bislang jedoch wenig bekannt. Eine Befragung von Lehrpersonen soll daher Auskunft über die Voraussetzungen und die Umsetzung des neuen Schulfachs in der Praxis geben. Die Ergebnisse ermöglichen Rückschlüsse für die Konzeption spezifischer Aus- und Weiterbildungsangebote für Lehrpersonen und erschliessen Forschungsdesiderate.
Laufzeit
2022 bis 2025
Finanzierung
PHSG
Leitung
Rolf Bürki, Helene Mühlestein
Die Vermittlungsprodukte machen die Forschungsergebnisse des Projekts «Zug in die Freiheit» für eine breite Öffentlichkeit zugänglich und verstehbar. Eine wichtige Dimension stellt die schulische Vermittlung dar. Die erarbeiteten Dossiers fokussieren auf biografische Zugänge.
Laufzeit
2023 bis 2027
Finanzierung
Amt für Kultur des Kantons St.Gallen, Kanton Thurgau, Göhner-Stiftung, Stadt St.Gallen (Kulturförderung), Stiftung Edith und Helmut Steiner, Dr. Fred Styger Stiftung für Kultur, Bildung und Wissenschaft, Augustin-Keller-Loge
Leitung
Helen Kaufmann, Anna Voser (inhaltliche Leitung)
Thomas Metzger, Johannes Gunzenreiner (strategische Leitung)
«Zug in die Freiheit» ist ein trinationales Forschungs- und Public-History-Projekt, das von der der Fachstelle Demokratiebildung und Menschenrechte und der Mamlock Foundation (Berlin) initiiert wurde und zusammen mit internationalen Partner:innenorganisationen umgesetzt wird. Es erforscht eine Befreiungsaktion in der Endphase des Zweiten Weltkriegs, bei der 1200 Jüdinnen und Juden aus dem Ghetto Theresienstadt in die Schweiz gerettet wurden und mehrere Tage im heutigen PHSG-Gebäude Hadwig verbrachten. Die Ergebnisse werden für die schulische und die öffentliche Geschichtsvermittlung aufbereitet.
Laufzeit
2020 bis 2027
Finanzierung
Amt für Kultur des Kantons St.Gallen, Kanton Thurgau, Göhner-Stiftung, Stadt St.Gallen (Kulturförderung), Stiftung Edith und Helmut Steiner, Dr. Fred Styger Stiftung für Kultur, Bildung und Wissenschaft, Augustin-Keller-Loge, Paul-Schiller-Stiftung, UBS-Kulturstiftung, Paul-Grüninger-Stiftung
Leitung
Thomas Metzger, Johannes Gunzenreiner
Auf der Grundlage der Pilotstudie zum internationalen Forschungs- und Vermittlungsprojekt «Zug in die Freiheit» werden die Aktion, die zur Befreiung von 1200 Jüdinnen und Juden aus dem KZ Theresienstadt führte, der historische Kontext und insbesondere die Biografien der Befreiten, die auch einige Tage im Hadwig-Gebäude der heutigen PHSG verbrachten, erforscht. Die Beforschung des Themas durch die Fachstelle Demokratiebildung und Menschenrechte ist an den Bedürfnissen der für die Öffentlichkeit und die Volksschulen konzipierten Vermittlungsprojekte des Gesamtprojekts «Zug in die Freiheit» ausgerichtet.
Laufzeit
2023 bis 2025
Finanzierung
Paul-Schiller-Stiftung, UBS-Kulturstiftung
Leitung
Thomas Metzger
Das gemeinsame kritische Reflektieren mit Studierenden und Expert:innen aus unterschiedlichen Praxis- und Berufsfeldern (z.B. Soziale Arbeit, Freiwilligenarbeit, Kinder- und Jugendpsychiatrie) soll zur Professionalisierung im Kontext von Fluchtmigration beitragen. Im Zentrum steht die gemeinsame kritische (Selbst-)Reflexion der Studierenden über die eigenen Diversitätskompetenzen, das im Lehrangebot angeeignete Fachwissen, die individuellen Praxiserfahrungen und den persönlichen politischen Willen in Bezug auf die schulische und die soziale Integration von geflüchteten und zugwanderten Kindern und Jugendlichen.
Laufzeit
2023 bis 2024
Finanzierung
Wissenschaftsverbund Vierländerregion Bodensee
Leitung
Julia Ha (PHSG), Esther Moll (PH Vorarlberg)