Institute / Zentren
Institut Kulturelle und Ästhetische Bildung
Der Bereich «Forschung und Entwicklung» am Institut für Kulturelle und Ästhetische Bildung (IKÄB-PHSG) befindet sich noch im Aufbau und betreibt vielschichtige und mehrperspektivische Professionsforschung mit unterschiedlichen Schwerpunkten. (Angehende) Lehrpersonen sollen dabei unterstützt werden, die vielfältigen kulturellen und ästhetischen Möglichkeiten der Lebenswelt bewusst und lernförderlich einzusetzen und den Wandel in einer Kultur der Digitalität mitzugestalten.
Forschend Lernen und Gestalten (FLuG)
In einer Welt, die von Wandel und zunehmender Ungewissheit geprägt ist, gewinnt die Fähigkeit an Bedeutung, flexibel und tentativ auf Veränderungen zu reagieren. Für die Auseinandersetzung mit komplexen und dynamischen Herausforderungen bietet Entwerfen eine aussichtsreiche Strategie. Zur Unterstützung von Entwurfsprozessen wurde FLuG als didaktisches Instrument für die Lehrpersonenbildung und die schulische Praxis entwickelt. FLuG ist anschlussfähig an ein Bildungsverständnis, das Lernen als offenen, relationalen und reflexiven Prozess versteht und nicht als lineare Vermittlung vorgegebener Inhalte.
Die Entwicklung wurde durch ein vorgelagertes Lehrentwicklungsprojekt lanciert: In Lernsettings wurde untersucht, wie Studierende durch die Auseinandersetzung mit forschenden Gestaltungsprozessen von Kindern der Begabungsförderung Kunst und Musik und durch eigene gestalterische Prozesse vertiefte Zugänge zu forschendem Lernen entwickeln. Übergeordnetes Ziel war es, Impulse für die Ausgestaltung gestaltungsdidaktischer Formate in der Lehrpersonenbildung zu gewinnen.
Auf dieser Grundlage wurde FLuG theoriebasiert weiterentwickelt, um Lernräume zu eröffnen, in denen Ungewissheit zugelassen und produktiv genutzt wird. Das Instrument ist prozessorientiert angelegt und strukturiert Lernprozesse entlang wiederkehrender Perspektiven statt entlang fixer Schritte. Wahrnehmen, Sammeln, Experimentieren, Analysieren und Erproben stehen in einem dynamischen und iterativen Verhältnis zueinander. Rücksprünge sind ausdrücklich vorgesehen. Bei der Aneignung und beim Üben von Entwerfen als transformativer Strategie spielt die reflexive Ebene eine wichtige Rolle. Der Wechsel zwischen den Tätigkeiten erfolgt vorwiegend fragend, imaginierend oder urteilend und kann diskursiv oder reflexiv vollzogen werden.
An Tagungen der Kulturellen und Technischen Bildung sowie an der Biennale der Designdidaktik wurde der Ansatz interessiert aufgenommen. Gegenwärtig sind diverse Anwendungsmöglichkeiten in der Volksschule und in ausserschulischen Kontexten in Entwicklung.
Methodik: Theoriebasierte Instrumentenentwicklung auf der Grundlage eines Entwicklungsprojekts auf der Zielstufe und an der PHSG
Laufzeit
2024 bis 2026
Finanzierung
LerNetz
Leitung
Regula Pöhl, Jérôme Zgraggen
Team
Regula Pöhl, Jérôme Zgraggen
Literaturhinweise/Publikationen
Pöhl, R. & Zgraggen, J. (2024). Entwerfen als transformative Strategie. Werkspuren, 41(4), 30–33.
Pöhl, R. & Zgraggen, J. (2025). Ins Ungewisse. Entwerfen als transformative Strategie. Kulturelle Bildung online, 13, 1–12.
Zur Publikation
Zgraggen, J. & Pöhl, R. (2025). Forschend Lernen und Gestalten: Entwerfen als transformative Strategie. In A. Steinmann, M. Seidler-Proffe & K. Lange-Schubert (Hrsg.), Mitwelt im Wandel wahrnehmen, verstehen und gestalten: Bildungspotentiale des technischen Gestaltens in Lehrer:innenbildung, Forschung und Schulpraxis (S. 61–72). Klinkhardt.
Zur Publikation
Das Schulprojekt der PHSG fördert die kulturelle und ästhetische Auseinandersetzung und den entsprechenden Kompetenzerwerb anhand des Mediums «Film». Gruppen von ca. fünf Schüler:innen erarbeiten im Rahmen des Unterrichts selbstständig einen Kurzfilm. Vorgängig werden die Lehrpersonen von Profis in die Welt der Filmproduktion eingeführt. Während des Zeitraums der Produktion stehen ihnen technischer Support des Projektteams sowie ein Coaching durch Kulturschaffende aus dem Bereich «Film» zur Verfügung. Dabei werden auch Möglichkeiten vorgestellt, die aufzeigen, wie die Filme mit Smartphone, Tablet und Gratissoftware gestaltet werden können. Zum Abschluss prämiert eine Jury in jeder der teilnehmenden Regionen (St.Gallen, Wattwil und Herisau) fünf Filme, aus denen schliesslich in fünf verschiedenen Kategorien ein Gewinnfilm gekürt wird. Die prämierten Filme werden im regionalen Kino an einem gemeinsamen Schlussanlass gezeigt, wobei auch der jeweilige Gewinnfilm pro Kategorie feierlich bekannt gegeben wird. Alle Filme werden auf die Projektwebsite hochgeladen und sind dort auch für weitere Interessierte einsehbar.
Laufzeit
seit 2023
Finanzierung
Amt für Kultur des Kantons St.Gallen
Leitung
Björn Reifler
Im Projekt «FormAsFL» wird der Unterricht im Lernforum «Kunst und Musik» als Anlage des Forschenden Lernens durchgeführt. Als Reflexion für die Schüler:innen und als Visualisierung für die Lehrperson kennzeichnen die Kinder in ihren Forschungsheften, die als Prozesstagebücher dienen, die Aspekte des Modells «Forschen und Gestalten» der Universität Leipzig mit Klebeetiketten. Parallel dazu arbeiten Studierende der PHSG ebenfalls mit dieser Methode und reflektieren ihre Prozesse anhand jener der Schüler:innen. An der PHZH dienen Erfahrungsberichte und Videos der Schüler:innen als Ausgangspunkte für eigene Prozesse und Reflexionen. Das Erkenntnisinteresse liegt einerseits in der Sichtbarmachung der internen Prozesse der Schüler:innen und bei einer gestalterischen Anlage des Forschenden Lernens. Andererseits soll beobachtet werden, wie sich das Lehr- und Lernverständnis der Studierenden dadurch wandelt. Zusätzlich wird in einem weiteren Projekt der PHSG mit der Universität Leipzig ein Fragebogen erarbeitet, um die Kriterien des Forschenden Lernens nach Reitinger zu erfassen.
Laufzeit
2024
Finanzierung
PHSG
Leitung
Jérôme Zgraggen
Das Projekt «Musik aktiv E-Learning» zielt darauf ab, eine innovative Plattform zu entwickeln, die nahtlos in den Musikunterricht integriert werden kann. Im Gegensatz zu bestehenden Lösungen, die meist isolierte Übungen bieten, soll es diese Plattform Lehrpersonen ermöglichen, individuelle Lernpfade für ganze Klassen oder einzelne Schüler:innen zu erstellen und anzupassen. Sie unterstützt aktiv-entdeckendes Lernen, fördert die Dokumentation von Fortschritten und bietet Aufgaben auf unterschiedlichen Niveaus. Ziel ist es, den Musikunterricht durch digitale Inhalte zu bereichern, ohne ihn vollständig zu ersetzen, und so die Qualität und die Attraktivität des Unterrichts nachhaltig zu steigern.
Laufzeit
2024 bis 2025
Finanzierung
swissuniversities
Leitung
Sandra Fässler Kehl
Im Fachdiskurs wird davon ausgegangen, dass in der Volksschule Handlungsbedarf hinsichtlich der Qualität des Musikunterrichts besteht. Die Schulgemeinde Gaiserwald (SG) versucht dieses Qualitätsproblem lokal mit der folgenden Massnahme anzugehen: Eine Musiklehrperson unterrichtet die Klassen der Mittelstufenlehrpersonen im Fach «Musik» während zweier Lektionen pro Woche für insgesamt ein Quartal. Die Klassenlehrperson ist im Unterricht anwesend und übernimmt verschiedene Funktionen. Untersucht wird, inwiefern die Klassenlehrperson die Erfahrungen dieses exemplarischen hochwertigen Musikunterrichts in ihren eigenen Musikunterricht übertragen kann.
Laufzeit
2023 bis 2025
Finanzierung
Schulgemeinde Gaiserwald
Leitung
Sandra Fässler Kehl
Das Forschungsprojekt «SWEMP» untersucht, wie musiktheaterpädagogische Projekte in der Lehrer:innenbildung die Selbstwirksamkeit angehender Lehrpersonen stärken können. Ausgangspunkt ist die Frage, inwiefern kreative, gemeinschaftliche Arbeitsformen während der Ausbildung darauf vorbereiten, mit den Belastungen des Berufsalltags umzugehen und langfristig Motivation und Resilienz aufzubauen. Erste Ergebnisse zeigen, dass die teilnehmenden Studierenden trotz hoher mentaler und zeitlicher Anforderungen intensive Lern- und Erfolgserlebnisse erfahren. Besonders bedeutsam sind dabei persönliche Entwicklung, Gemeinschaftsgefühl, Freude am Tun sowie das mutige Auftreten vor anderen. Diese Erfahrungen fördern Selbstvertrauen, Authentizität und das Gefühl, Herausforderungen eigenständig bewältigen zu können. Die Datenerhebung im Kontext des PHSG-Musicals umfasst Interviews, Beobachtungen und Videoanalysen. Die Ergebnisse fliessen in einen Dokumentarfilm, wissenschaftliche Publikationen und die Weiterentwicklung der Lehrer:innenbildung ein.
Laufzeit
2025 bis 2027
Finanzierung
Ernst-Göhner-Stiftung
Leitung
Björn Reifler